Sonntag, 27. Januar 2013

Der große Reisebericht (Teil 2)

Auf Grund wiederkehrender Internetprobleme komme ich erst jetzt dazu, den 2. Teil des Urlaubsberichts zu publizieren.
Bevor der nächste Küstenort erreicht wurde, erkundeten wir noch den wunderbaren Tsitsikamma-Nationalpark, welcher zum Wandern und Klettern entlang der Felsküste einlud. Das Ziel unseres Ausflugs war ein uns bereits bekanntes: ein Wasserfall. Diesmal aber direkt am Meer und ohne Einsprungmöglichkeit. Danach führte uns der Weg in das verschlafene Städtchen Knysna.
Knysna: In dem ruhigen und zum Teil etwas bonzigen Ort wurden die nächsten 5 Tage verbracht und somit auch die drei Weihnachtsfeiertage. Der Heilige Abend wurde zunächst mit der Suche nach einem passenden Restaurant für den Abend verbracht, danach zog es uns zu einem kleinen und abgelegenen Strand. Da die Küste dort hauptsächlich felsig ist, war die Suche ein durchaus schwieriges Unterfangen. Zudem wollte sich die Sonne an diesem heiligen Tag einfach nicht blicken lassen, so dass der totale Kontrast zum gewohnten Weihnachtswetter ausblieb. Als ich dann auch noch erfuhr, dass Süddeutschland bis zu 20°C vermeldete, dachte ich ich wär im falschen Film. Der Tag wurde mit einem Besuch in einem überfüllten Restaurant mit überfordertem Personal und einem anschließendem Kirchenbesuch abgeschlossen. Der Gottesdienst unterschied sich nicht sonderlich von einem deutschen, was auch daran lag, dass wir keinen schwarzen Gospel-Gottesdienst finden konnten. Dadurch kam jedoch zum Ende des Tages doch noch ein wenig Weihnachtsstimmung auf.
Am 1. Weihnachtsfeiertag wurde mal wieder gewandert, überraschender Weise war unser Ziel ein Wasserfall. Dort, im Wilderness Nationalpark, war dann aber wieder der Sprung von einer Klippe möglich. Der nächste und letzte Feiertag wurde mit Kanu fahren verbracht, eigentlich stand ein Wildwasser Rafting auf dem Programm, das jedoch auf Grund der allgemein dürftigen Finanzlage ausfallen musste. Sparen war angesagt, denn es stand nämlich noch ein teurer Spaß bevor: Fallschirmspringen! Dieser war bereits für den 25. geplant, wurde aber wegen zu dichter Bewölkung abgesagt. Als uns zwei Tage später die gleiche Nachricht ereilte, fingen wir bereits an, an das Schicksal zu glauben. Der Sprung wurde also erneut verschoben, diesmal aufs Neue Jahr in Kapstadt. So machten wir an diesem Tag einen Ausflug zu den Heads, das „Eingangstor“ zur Bucht von Knysna. Von hoch oben hatte man einen weiten und beeindruckenden Blick auf die Bucht und das Meer.
Hermanus: In dem noch ein Stückchen spießigeren Örtchen blieben wir nur einen vollen Tag, da wir uns dazu entschieden, einen zusätzlichen Tag in Kapstadts Umgebung und nahe dem Kap der guten Hoffnung zu verbringen. Der Tag in Hermanus nutzen wir zum Faulenzen am Strand, so dass es nicht viel Aufregendes zu berichten gibt. Der Ort ist vor allem für das Beobachten von Walen bekannt, die sich gerne hier aufhalten, jedoch nur zu einer bestimmten Zeit und die ist nicht Ende Dezember. Der Eindruck, dass die Ortschaften immer exklusiver und kommerzieller werden (besonders was die Wanderwege betrifft), je näher man Kapstadt kommt, bestätigte sich hier nochmal.

Simon's Town: Einen Tag vor Silvester kamen wir in das südlich von Kapstadt gelegene Simon's Town. Von dort aus machten wir zunächst einen Ausflug zu einer Pinguinkolonie, die natürlich als große Attraktion Menschen aus aller Welt anlockte. Die größere Attraktion war natürlich der Kap der guten Hoffnung, den wir am nächsten Tag ansteuerten. Hier tummelten sich besonders viele Reiselustige, vor allen Dingen Deutsche, um den südwestlichsten Punkt Afrikas zu erkunden. Natürlich gab es auch für uns das obligatorische Foto mit dem weltbekannten Schild. Da wir aber besonders alternativ sein wollten, stellten wir uns vor das Schild und verdeckten den viel zu oft fotografierten Schriftzug. Später machten wir noch ein kleines Picknick auf einem der vielen Kapfelsen. Der Ausflug hatte sich auf jeden Fall gelohnt, jetzt kann ich schließlich sagen, dass ich schon mal am Kap der guten Hoffnung war, das schafft nicht jeder.

Kapstadt: Nun stand endlich der krönende Abschluss auf dem Programm, die „Mother City“. Mitten im Herzen der Stadt lag unser Backpacker und nachdem wir uns ein wenig eingerichtet hatten, ging es gleich zum nächsten Liquor Store, für die große Feier musste ja vorgesorgt werden. In Kapstadt trafen wir dann die ganzen anderen deutschen Reisegruppen aus Potch und so gingen wir am Abend zusammen essen. Das neue Jahr wurde dann mitten auf der Long Street, der Partymeile der Stadt, begrüßt. Tanzend und feiernd zogen die Massen durch die Straße. Auch ich war mitten drin und genoss die positive Stimmung. Als ich jedoch kurze Zeit Später in meine Hosentasche griff und feststellte, dass mein Handy nicht mehr an seinem angestammten Ort war, war es schlagartig vorbei mit meiner guten Laune. Vergeblich suchten ich nach dem smarten Gerät, doch der Dieb hatte sich wohl schon längst aus dem Staub gemacht. So wollte bei mir im weiteren Verlauf der Nacht keine richtige Partystimmung mehr aufkommen. Nach dem etwas ernüchternden Start in 2013, erkundeten wir etwas verkatert die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir liefen zu schönen Plätzen, imposanten Gebäuden und in das muslimische Viertel Bo-Kaap. Hier wurden wir Zeuge eines farbenfrohen und klangvollen Neujahrsumzugs von der dort lebenden Community. Nun hatten wir wieder genug Energie gesammelt, die wir für den nächsten Tag brauchen sollten. Ziel des Tages war nämlich die Besteigung des 1000 Meter hohen Tafelbergs, das Wahrzeichen Kapstadts. Anstatt sich von der Seilbahn hochziehen zu lassen, wählten wir den nicht ungefährlichen Weg entlang des Berges. Als wir oben angekommen waren, war die Aussicht dann umso atemberaubender. Der Blick auf die Stadt ist wirklich sehr eindrucksvoll und einzigartig. Das war wohl im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt unserer bisherigen Ausblicke. Am nächsten Tag sollte jedoch ein weiterer Höhepunkt folgen. Endlich klappte es mit dem Fallschirmsprung. Etwas angespannt fuhren wir raus aus Kapstadt zu einem abgelegenen Flugplatz. Als die kleine Maschine vom Boden abhob, verstärkte sich das mulmige Gefühl im Magen. Gleich würde ich aus einem Flugzeug springen, und dafür gebe ich auch noch 170 Euro aus. Was hab ich mir dabei nur gedacht? Als sich dann die Flugzeugtür öffnete, gab es kein zurück mehr. Der Sprung, der angeblich 35 Sekunden dauerte, kam mir eher wie 10 Sekunden vor und war wirklich überwältigend. Richtig genießen konnte ich es aber nicht, dafür ging alles viel zu schnell. Das anschließende Gleiten durch die Lüfte war dann aber ein sehr geiles Erlebnis. Abgeschlossen wurde der aufregende Tag mit dem Besuch eines sehr coolen Clubs in der Long Sreet. Hier lief Drum n Bass und die Atmosphäre und die Location erinnerte mich teilweise sehr an die Berliner Clubszene. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass Kapstadt eine ähnlich Entwicklung wie Berlin nimmt, viele Läden sehen ähnlich aus und sogar die Mode und das Aussehen der jungen Leute erinnert an das hippe Berlin, in das es alle zieht. Am letzten ganzen Tag in Kapstadt befassten wir uns dann nochmal mit düsteren Geschichtsabschnitten der Stadt. Wir besuchten die Slave Lodge, wo früher Sklaven gehalten wurden und fuhren auf die Gefängnisinsel Robben Island, wo unter anderem ein gewisser Nelson Mandela eine lange Zeit verbrachte. Die Tour durch den Gefägnistrakt fiel leider etwas kurz aus, die Idee, dass man von einem Ex-Häftling geführt wurde war gut, müsste aber noch etwas ausgereift werden. Zum Abschluss gingen wir nochmal exotisch essen und probierten uns an Krokodil, Strauss, Warzenschwein und einem Bock. Am nächsten Morgen wurde dann die Rückreise nach Potch in einem Reisebus angetreten.
Das wars dann mit dem Urlaub, der wie ich fand eine Menge zu bieten hatte und viele spannende Geschichten produzierte.
Seit drei Wochen bin ich nun wieder in Potch und hier tut sich mittlerweile auch ne Menge. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag.  

Sonntag, 13. Januar 2013

Der große Reisebericht (Teil 1)

So, der erste Urlaub durch meine neue Heimat ist Geschichte. Leider. Denn er hat sehr viel Spaß gemacht und war meiner Meinung nach zu kurz. Ich reiche nun einen umfassenden Bericht über den Trip entlang der Küste Südafrikas nach.

1. Durban: 
Los ging es in den 3-wöchigen Urlaub zusammen mit zwei weiblichen und zwei männlichen Freiwiiligen und einem Mietauto in der Nacht vom 16. zum 17.12 um 4:00 Uhr in der Früh. Da nur eine Nacht für Durban vorgesehen war, wollten wir die Zeit möglichst effizient nutzen und zwei Tage in der Hafenstadt an der Ostküste verbringen. So kamen wir etwas übermüdet zur Mittagszeit in einem herunter gekommenen Backpacker an, der neben Menschen auch Kakerlaken und Ratten beherbergte. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, die Stadt laufend zu erkunden. Wir gingen zunächst zum Strand und suchten danach den Hafen auf, der aber nicht zum flanieren einlud, sondern eher industriellen Charakter hatte. Am Abend besuchten wir noch eine Bar und gingen danach geschafft und müde zu Bett. Für den nächsten Tag hatten wir uns einiges vorgenommen und zwar die schönen Seiten von Durban zu finden, denn unser erster Eindruck war eher negativ. Wir  besuchten das indische Viertel und wurden von netten Muslimen in die größte Muschee des südlichen Afrikas geführt. Dort erlebten wir das Mittagsgebet und es wurde vergeblich versucht uns zum Islam zu bekehren. Ein Museum über die Apartheidgeschichte Durbans erreichten wir leider zu spät, da es kurz nach unserem Eintritt zu machte. Danach guckten wir uns noch das eindrucksvolle WM-Stadion an, in dem Deutschland sein erstes Spiel hatte. Das Markenzeichen des Stadions ist der große Bogen, der sich über das Dach spannt. Damit war unsere erste Station, die wir uns alle etwas schöner vorgestellt hatten, schon vorbei und wir machten uns auf den Weg zum nächsten Küstenort.

2. Port St. Johns: 
Nach ca. 5 Stunden Fahrt über teilweise abenteuerliche Straßen kamen wir am Abend im überschaubaren Port St. Johns an. Außerhalb des Ortes und mitten im Grünen lag unser Backpacker, der das totale Gegenteil zum Ersten darstellte und mit seinen Hängematten und dem Meeresblick das Entspannen einfach machte. Hier verbrachten wir drei Nächte und hatten somit zwei volle Tage um die beeindruckende Landschaft zu entdecken. Am ersten Tag wanderten wir ein wenig entlang der Felsküste und machten uns zum ersten Mal mit dem Indischen Ozean vertraut, dessen Wellengang nicht ohne ist. Den zweiten Tag nutzten wir erneut für eine Wanderung, diesmal führte uns der Weg zu einem Wasserfall, von dessen Felsen man gut 11 Meter in die Tiefe springen konnte. Diesen Spaß ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Abends war in dem wirklich sehr gemütlichen Backpacker richtig Stimmung. Der DJ gab sich große Mühe und so endeten die Tage dort stets sehr klangvoll und amüsant.

3. Jeffreys Bay:
Die nächste Station führte uns schon an die Südküste und zwar zum absoluten Surferort Jeffreys Bay. Hier hatten wir wieder eine gemütliche und familiäre Unterkunft, in der sich viele "coole" Wellenfreunde tummelten. Zwei Nächte verbrachten hier und hatten somit nur einen Tag, den wir ganz nutzen konnten. Genutzt wurde dieser natürlich für einen kleinen Surflehrgang. Ich hatte dabei etwas Schwierigkeiten, was wohl daran lag, dass die Wellen nicht so richtig wollten und ich zu viel Zeit zu weit draußen verbrachte und somit die meiste Zeit auf meinem Surfbrett lag anstatt darauf zu stehen. Ansonsten hatte der Ort nicht so viel zu bieten, wirklich viel haben wir aber auch nicht gesehen. Der restliche Tag wurde an dem langen Sandstrand verbracht und so neigte sich auch die dritte Station dem Ende zu. Am 23.12 wurde die Reise zum nächsten Ort fortgesetzt, an dem wir für 5 Nächte bleiben sollten. Welcher Ort das ist, was wir dort erlebt haben und wie die Reise weiter geht, erfahrt ihr im 2. Teil. Ich bin jetzt nämlich müde und will noch ein bisschen schlafen, denn morgen ist wieder Schule. Und ich dachte 13 Jahre sind genug...

Sonntag, 9. Dezember 2012

Erlebnisse en masse

Nach einer längeren Schreibpause melde ich mich mal wieder aus dem fernen Süden. Die Ferien waren bisher alles andere als langweilig, es ist gar nicht so leicht sich an die verschiedenen, erzählenswerten  Geschichten zu erinnern. Dank meiner chronischen Vergesslichkeit weiß ich teilweise nicht mehr, was ich die letzten Tage getan hab. Aber da die Erlebnisse, an die man sich erinnern kann, ja eh markant und interessant sind, werde ich die markantesten und interessantesten jetzt mal in Worte fassen.
Zu Ferienbeginn wurden wir von der Lehrerschaft zu einem abschließenden Essen eingeladen. Voraussetzung  für die Teilnahme war eine Zahlung von 100 Rand (etwa 10 Euro), womit Speisen und Getränke finanziert werden sollten. Der Abend stand dann ganz im Zeichen der Internationalität. Es wurden im Voraus Gruppen gebildet, denen jeweils ein Land bzw Stadt zugeteilt wurde. Die Aufgabe bestand nun darin sich der jeweiligen Kultur entsprechend zu kostümieren. Dazu gab es dann landestypisches Essen. So wurden alle erdenklichen Clichés erfüllt und die Lehrer und wir Freiwilligen wurden zu Sombrero tragenden Mexikanern, New Yorker Cowboys und pelzigen Russen. Das Essen war, obwohl es teilweise nicht wirklich zum jeweiligen Land passte, lecker und ausreichend. Mehr Priorität hatte dann aber der reichlich vorhandene Alkohol, den die Lehrer mitgebracht hatten. Den Abend über gaben diese sich nämlich ordentlich die Kante. Wir Freiwilligen wirkten dagegen mit unserer mitgebrachten Cola brav und vernünftig. Es war durchaus eine interessante Erfahrung die Lehrer, die ja sonst jegliche gute Laune mit Hilfe ihres Zollstocks im Keim ersticken, ausgelassen und vergnügt zu erleben.
Ein paar Tage später stand ein großes Ereignis für die Kinder aus meinem Haus auf dem Programm. Zusammen mit dem Freiwilligen Philip und dem festangestellten Betreuer machten wir einen Ausflug zum Johannesburger Zoo. Allein die Fahrt nach und vor allem durch Johannesburg war für die Kinder und auch für mich aufregend. Die Stadt wirkt mit seiner beträchtlichen Skyline ziemlich modern und westlich. Auch an Soweto, dem Township Johannesburgs fuhren wir vorbei und somit wurde uns der totale Kontrast zwischen Arm und Reich vor Augen geführt. Im Prinzip besteht Johannesburg wie Potch aus zwei verschiedenen Stadtteilen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, nur ist in Joburg alles ne Nummer größer. Ein südafrikanischer Zoo unterscheidet sich nicht sonderlich von einem deutschen, vom Elefanten bis zum Löwen waren die üblichen Arten vertreten. Auch einen Eisbär gab es, der sich bei den heißen Temperaturen sichtbar unwohl fühlte. Und natürlich gab es Springboks, das Wappentier Südafrikas. Alles in allem war der Zoobesuch ein tolles Erlebnis für die Kinder, denn je öfter sie dem tristen Kinderheimleben entfliehen können, desto besser.
Eine tolle Sache für uns Freiwillige war ein Fußballspiel zwischen dem Kinderheim, bestehend aus Freiwilligen und Betreuern, und der Polizeimannschaft von Potch. Am Ende wurden die Bullen nach einem grandiosen Kopfballtor meineiseits mit 5:3 besiegt!
Am Freitag ging es dann zum Feiern ins Midknight, ein Club in den hauptsächlich Schwarze gehen und der von den meisten Weißen gemieden wird. Die Stimmung dort ist stets ausgelassen und positiv. Am nächsten Tag musste ich jedoch feststellen, dass mein Portemonnaie verschwunden war. Vermutlich wurde es mir gestohlen, als ich am Ausgang stand und mich ein Typ komisch angemacht hat und mir leicht an die Gurgel gegangen ist. Eigentlich wirkte die Situation nicht ernst, aber höchstwahrscheinlich nutzte mein Gegenüber den Moment um mich abzulenken und die Geldbörse und entwenden. Dumm genug war, dass ich das Portemonnaie samt Kreditkarte, Führerschein und SIM-Karte überhaupt mitgenommen habe. Die Kreditkarte habe ich dann am nächsten Tag gesperrt und zur Zeit bin ich dabei die neuen Dokumente zu beantragen. Unnötiger Stress, aber eine Erfahrung, mit der man hier wohl rechnen muss. Seis drum, aus Fehlen lernt man ja bekanntermaßen...hoffentlich.
In der letzten Woche haben einige der Freiwilligen bereits ihren Urlaub angetreten und da auch viele der Kinder zu Ferienbeginn zu ihren Eltern gefahren sind wurde es in letzter Zeit immer leerer im Heim. Da ich eh nicht viel zu tun habe, beschloss ich den hier im Heim arbeitenden Freiwilligen etwas zu helfen. Deren Aufgabe besteht vor allem jetzt in der Ferienzeit darin, den Alltag der Kinder zu gestalten. Ein Freiwilliger entschied sich dazu, mit den Kindern Basketball spielen zu gehen. Da war ich natürlich dabei und brachte den Kindern ein paar fundamentale Übungen bei. Einer war echt talentiert und konnte ziemlich gut mit dem Ball umgehen. Mal sehen, was ich noch aus dem Jungen raus holen kann.
Gestern habe ich dann die nächste einprägsame Geschichte erlebt. Ich war mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Mall der Stadt, als ich auf halber Strecke auf einen blutenden Mann aufmerksam wurde, der mir zuwinkte. Daneben hielt ein Auto, indem ein Mann saß. Also fuhr ich zu dem blutenden Mann hin, ein Schwarzer der ziemlich durch den Wind war. Ich fragte ihn, was denn passiert sei und er sagte mir, dass der Typ im Auto ihn ohne Grund geschlagen hat. Daraufhin versuchte ich, die vorbeifahrenden Autos anzuhalten und um Hilfe zu beten, ohne Erfolg. Auf einmal stieg der Typ aus seinem Auto, ein breit gebauter Bure, und ging zu uns hin. Er wollte wissen was ich will und als ich meinte, dass ich nur helfen will, fing der Bure an mich zu beleidigen. Als er dann auch noch handgreiflich wurde und mir einen satten Hieb auf die Schulter versetzte ergriff ich die Flucht. Zur gleichen Zeit kam ein Kumpel von dem Buren mit seinem Auto dazu und zusammen gingen die beiden Idioten nochmal auf den hilflosen Mann los. Ich versuchte weiterhin Autos anzuhalten, doch keiner zeigte die Courage zu helfen. Dummerweise kannte ich die Polizei- sowie die Notarztnummer nicht. Die Buren ließen dann aber wieder von ihrem Opfer los und ließen ihn gehen. Der Bure ging daraufhin wieder auf mich los, sodass ich zum Wegfahren gezwungen wurde. Danach quälte mich noch lange die Frage, ob alles gut gegangen ist oder ob die Buren nochmal ihrem Opfer gefolgt sind. Wie es zu der Schlägerei kam, weiß ich nicht, auf jeden Fall ging eine große Portion Hass und Aggressivität von dem Schläger aus. Auch das ist also Südafrika. Trotz der teilweise unschönen Erlebnisse gehts mir hier aber ganz gut und ich kann auch nicht behaupten, dass mir langweilig ist. Erleben tu ich hier echt ne Menge.

Freitag, 23. November 2012

Ferien!

Heute war der letzte Schultag und somit fangen ab heute auch die großen Sommerferien an, die bis Mitte Januar dauern. Im Gegensatz zum kalten Deutschland ist hier nämlich der Sommer angebrochen, am Mittwoch hatten wir fast 40°. Da sehnt man sich doch tatsächlich mal für einen kurzen Moment nach winterlichen Temperaturen, wenn auch nur eine kurze Zeit. Denn zum Glück ist das Kinderheim ja mit einem großen Pool ausgestattet, der nun immer öfter belagert wird. Ansonsten liegen die Temperaturen hier auch eher bei 30° oder weniger.
Auch in den letzten beiden Wochen gab es in der Schule verständlicher Weise nicht viel tun, so dass sich meine Arbeit wieder auf Examen korrigieren und Kinder beaufsichtigen beschränkte. Die Zeit im Unterricht verbrachte ich unter anderem auch mit dem Lesen von "Oliver Twist", dass ich mir aus der kleinen Schulbibliothek ausgeliehen hatte. Die letzten Tage wurden also wortwörtlich abgesessen. Da ich somit auch viel Zeit zum Nachdenken hatte, habe ich den Entschluss gefasst, das nächste Jahr bei einer Lehrerin einer 4. Klasse auszuhelfen. Ihre Fächer, Englisch und Social Science, (wozu Geographie, Geschichte und Politik gehört) interessieren mich am meisten. Die Lehrerin ist zudem schwanger und wird somit im Laufe des nächsten Jahres eine berufliche Auszeit machen müssen, so dass ich möglicherweise ernsthaft gebraucht werden könnte. Bis dahin ist aber noch ein bisschen Zeit...
Letzten Freitag habe ich mit anderen Freiwilligen zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal ein Cricket-Spiel besucht. Selten habe ich so eine langweilige Sportart gesehen, keine Bewegung, keine überraschenden Aktionen, kein Schwung. Zudem hatte niemand eine Ahnung von den Regeln, so dass der Unterhaltungswert gen 0 tendierte. Wie ich feststellen musste, geht es bei so einem Spiel auch eher darum, sich zu treffen und zu picknicken, wozu die Wiesen rund um das Spielfeld einladen. Am Sonntag war ich dann zum ersten Mal im Township Ikageng, wo wir Freiwilligen zum Braai (Grillen) eingeladen waren. Nach einem entspannten Abend wurde der Rückweg mit unserem etwas in die Jahre gekommenden, willkürlich hupenden VW-Bus angetreten. Nachdem das Anfahren immer schwerer vonstatten ging, mussten wir auf halber Strecke feststellen, dass der hintere Reifen stark qualmte. Als wir nach einigen Minuten Rollen an einer Tanke zum Stehen kamen, durften wir den platten Reifen begutachten. Daraufhin wurde ein bekannter Einheimischer zur Hilfe gerufen und der Reifen konnte gewechselt werden. Somit wurde der Abend im Township noch ungewollt aufregend.
Der Ferienbeginn bedeutet für mich nun erst mal, dass ich fast einen Monat hier im Kinderheim bleiben werde und somit vor allen Dingen Zeit zum Ausschlafen und zum Entdecken von Potch und Umgebung habe. Ins zwei Stunden entfernte Johannesburg will ich auf jeden Fall einen Ausflug machen. Am 17. Dezember geht's dann zusammen mit vier anderen Freiwilligen auf Urlaubstour. Über Durban geht's entlang der Küste bis nach Kapstadt, wo wir an Silvester ankommen werden. Insgesamt werden wir ca. 3 Wochen unterwegs sein. Ich bin gespannt, was Südafrika zu bieten hat!

Dienstag, 13. November 2012

2 Wochen Südafrika

Da ich zur Zeit etwas am Kränkeln bin, entschied ich mich dazu, den heutigen Tag "zu Hause" zu verbringen. Wirklich krank bin ich zwar nicht, aber eine kleine Auszeit kann ja nicht schaden. Wir ihr seht, wurde die vorhandene Zeit dann auch endlich mal zum Hochladen von ein paar Bildern genutzt, die einen kleinen visuellen Einblick in meine neue Umgebung geben sollen.
Mittlerweile bin ich nun 2 Wochen in Südafrika und habe mich bereits ganz gut an den Alltag hier gewöhnt. Hier unten läuft nämlich alles ein paar Stündchen früher ab. Um 4:30 Uhr werden die ersten Kinder geweckt, ich muss zum Glück "erst" um 6 aus den Federn, obwohl ich schon des öfteren mit dieser Zeit zu kämpfen hatte. Einmal hab ich bereits den Bus verpasst, der stets pünktlich um 6:45 Uhr abfährt, gestern war er beinahe weg, doch als ich zum Sprint ansetzte, hielt der gnädige Busfahrer noch mal an und ließ mich einsteigen. Gegen 13 Uhr kommt man dann von der Schule zurück ins Kinderheim, dann gibt es Mittagessen und um 14:30 folgt die study time. Für die Kinder ist der ganze Tag genau durchstrukturiert. Erst nach der stutdy time, also um 16 Uhr dürfen sie für genau eine Stunde an den Pool, danach wird geduscht und es gibt Toast zum Abendessen. Um 18 Uhr werden dann alle Häuser abgeschlossen, ab dann darf kein Kind mehr raus. Alle Freiwlligen und BetreuerInnen haben Schlüssel und können zu jeder Zeit ein- und ausgehen. So erinnert der Alltag der Kinder in gewisser Weise an ein Gefängnisleben, so wirklich wohl fühlen kann man sich da eigentlich nicht. Trotzdem ist für die meisten Kinder das Leben im Heim wahrscheinlich um einiges herzlicher als bei den Eltern, wo sie vermutlich geschlagen werden oder, falls sie keiner mehr haben, auf der Straße. Schlafen geht man hier demnach auch früher, gegen 21-22 Uhr gehen oft die meisten Lichter aus.
In der Schule habe ich die letzten beiden Tage der letzten Woche ausschließlich mit dem Korrigieren von Examen verbracht. Bei den Examen handelte es sich um Ankreuztests, d.h. ich musste anhand des Lösungsbogens die Fehler markieren und die Gesamtpunktzahl errechnen. Auf die Dauer wurde das natürlich ziemlich langweilig und eintönig, so dass ich froh war, dass das Wochenende begann. Am Samstagabend gab es für die Freiwillegen, die nur hier im Kinderheim arbeiten und die BetreuerInnen ein großes Dinner irgendwo in Potch. Deshalb mussten die anderen Freiwilligen, unter anderem ich, auf die Kinder aufpassen. Jeweils 2 Freiwillige wurden einem Haus zugeteilt. (In jedem Haus wohnen ca. 15-20 Kinder) Der Abend verlief zunächst unproblematisch, abends gab es Essen und danach wurden Filme geguckt. Gegen später wurde uns Freiwilligen dann mitgeteilt, dass einige der Älteren sich draußen rumtreiben würden, schließlich kamen sie dann auch wieder zurück ins Haus. Wir hatten zwar unseren Job erfüllt, indem wir um 19 Uhr die Türen zuschlossen, jedoch waren dann aber nicht alle wieder zurück im Haus. Da wir aber nicht wussten, wer zu welchem Haus gehört, fiel uns auch nicht auf, wer fehlte. Abgesehen davon, verlief der Abend sehr entspannt, die Kinder, die da waren, gingen ohne Aufforderung ins Bett.
Gestern hatte ich dann wieder zusammen mit Hannes die Aufsicht über eine Klasse, wobei es wieder relativ wenig zu tun gab, da die Kinder wieder für ihre Examen lernen sollten. Die Arbeit in der Schule könnte durchaus etwas spannender sein, ich bin aber einfach zu einer ungünstigen Zeit hier angekommen, denn die letzten 2 Wochen bis zu den Ferien wird hier nur noch gelernt bzw. Examen geschrieben. Nächstes Jahr, wenn dann auch das neue Schuljahr starten, gibt es auch wieder Sportunterricht. Ein ehrgeiziger Basketballlehrer steht dann auf jeden Fall zur Verfügung!
Hier sind endlich die ersten Impressionen: 




 Der Eingang zum Kinderheim












Das Haus, in dem ich mit Mitfreiwilligen, Betreuern und einigen Kindern wohne












Südafrikanisch-deutsche Begegnungen


Der Schulhof der President Pretorius Primary School












Mittwoch, 7. November 2012

Die Arbeit in der Schule

Seit einer Woche bin ich nun im Süden Afrikas. Eine Woche voller neuer Erlebnisse und Eindrücke. 5 Tage davon habe ich schon in der President Pretorius Primary School verbracht. Die Schule zählt angeblich zu den besten von Potch, sie macht auch einen gepflegten Eindruck und der Leistungsstand der Kinder ist vergleichsweise hoch, soweit ich das beurteilen kann. Die Klassenstufen reichen von der 1. bis zur 7. und es gibt Afrikaans- sowie EnglischschülerInnen, also entweder ist Afrikaans die Muttersprache oder Englisch bzw. Tswana. Wie ich schon geschrieben habe, bin ich an meinem ersten Tag in der Schule in verschiedene Klassen gegangen und hab mir den Unterricht angeguckt. So lief es zunächst auch am Montag, bis mich dann  die Lehrerin, die mich an den ersten Tagen bereits etwas in den Schulalltag eingeführt hat, zusammen mit dem Mitfreiwilligen Hannes in eine 4. Klasse steckte, dessen Lehrerin auf dem Weg nach Hause war, weil es ihr nicht gut ging. So gaben Hannes & Jannes ihr Bestes, um die Kinder möglichst ruhig zu halten und zum Lernen zu bringen, denn am Tag darauf starteten dann die Examen zum Jahresende, am 23.11 ist nämlich der letzte Schultag vor den Sommerferien. Das Unterfangen stellte sich als nicht gerade einfach aus, da die meisten Kinder natürlich die Gunst der Stunde nutzten und uns Freiwillige nicht wirklich als Autoritätspersonen ansahen. Teilweise konnte man ihnen aber auch etwas beibringen und so hatte ich durchaus auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Allgemein war es nicht leicht, und wird es in Zukunft wohl auch nicht sein, den richtigen Weg zwischen gutmütiger Toleranz und nötiger Strenge zu finden. Denn auf der einen Seite will ich mich natürlich nicht zu Beginn unbeliebt machen und halte sowieso nicht viel von autoritären Mustern und stumpfem Frontalunterricht, auf der anderen Seite will man sich natürlich auch nicht auf der Nase herumtanzen lassen.
Die beiden letzten Tage half ich dann bei der Durchführung der Examen aus, also ich teilte die Blätter aus, erklärte bestimmte Aufgaben für die englischsprechenden Schüler und achtete darauf, dass keiner spickte oder redete. Ich übernahm also die Rolle, die ich bis vor kurzem noch verachtet hatte. Dennoch war es ein gutes Gefühl, für einige Momente eine ruhige Klasse vor sich sitzen zu haben.
Zwischendurch wurde ich auch immer mal wieder in eine Klasse gerufen, um dort eine kurze Zeit die Kinder zu beaufsichtigen. Unter anderem wurde ich in eine 1. Klasse gesteckt, die alle erst mal große Augen machten, gegen später war ich dann aber hauptsächlich mit dem Schlichten von Streits beschäftigt. 
Ich hatte also schon alle Hände voll zu tun und bin gespannt wie sich die Arbeit und vor allen Dingen meine Möglichkeiten als lehrender Helfer entwickeln werden. 
Sobald ich mehr Zeit hab, werden hier hoffentlich auch die ersten Bilder erscheinen.